Vor 2500 Jahren

 

sad little ocean palm's big brother

for the heavens

for the heavens von hafual auf Flickr ©

beyond the jars

beyond the jars von hafual auf Flickr ©

parched meadows

parched meadows von hafual auf Flickr ©

in god's hand

in god’s hand von hafual auf Flickr ©

Hintergrund: die Geschichte der mysteriösen Tonkrüge in Laos kann nicht mehr nachvollzogen werden. Sie befinden sich verteilt in der ganzen Region um Phonsavan und an den größten Fundstätten Nummer 1 bis 3 kann man mehrere hundert Exemplare bewundern. Es ist weder einhundertprozentig klar welches Volk die Ebene der Tonkrüge verwendet hat, noch warum es solch einen Aufwand betrieb, die 0,5 bis 3 Meter hohen und breiten Krüge aus massivem Stein (Tonkrug ist nur ein im Sprachgebrauch verwendeter Begriff) mit mehreren Tonnen Gewicht auf die Hügel der Region zu schleppen. Nur eines ist sicher: sie wurden auch für Bestattungen verwendet, da in den 1930er Jahren Überreste von menschlichen Knochen in den Krügen gefunden wurden.

 

Vor 2500 Jahren, Region Xiangkhouang, Laos:
Heute ist ein trauriger Tag. Ein altes und sehr geschätzes Mitglied unseres kleinen Dorfes ist vergangene Nacht verstorben: Bah. Bah wurde 92 Regenzeiten alt und hat unser Dorf als Medizinmann versorgt. Es wird eine besondere Zeremonie und das ganze Dorf begibt sich auf eine Wanderung zu der Ebene der Tonkrüge. Als sich das Ende von Bah abzeichnete, wurde ein besonderes Exemplar angefertigt: der größte Krug der ganzen Ebene mit einer Höhe von drei Beinen. Die Arbeit daran hat 27 Frauen und Männern 70 Sonnenzyklen gekostet. Als wir alle über die Hügel wandern, scheinen sogar die Pflanzen, die wir in unserer Glaubensrichtung verehren (eine Religion des Paganismus), traurig zu sein (“sad little ocean palm’s big brother“, siehe auch Artikel “Perfekte Postkartenwelt“). Bei der Ebene ankommen beten die jüngsten Mädchen nach einer uralten Tradition bereits seit einiger Zeit mit traurigen Gesichtern zu den Himmeln (“for the heavens” und “beyond the jars“). Die Himmel haben geahnt, dass es heute mit Bah zu Ende geht, denn die Sonne bleibt während der ganzen Zeremonie verborgen. Diese dauert den kompletten Tag. Nachdem alle Dorfbewohner ihre Plätze eingenommen haben, beginnen die Feierlichkeiten. Mit lautem Trommeln wird die drei Meter hohe Urne Bahs von mehr als 20 Männern auf Holzstämmen auf den höchsten Hügel befördert (“parched meadows“). Der Dorfälteste beginnt unter tosenden Trommelgeräuschen seinen Tanz und wie in den Generationen verankert folgen nach dem Alter gestaffelt auch nacheinander alle jüngeren Männer des Dorfes. Die trommelnden Frauen versetzen die komplette Zeremonie in eine Art Extase um die Natur und Himmel anzuhalten, Bah in ihre Kreise aufzunehmen. Nachdem der Tanz beendet ist, wird der Leichnam Bahs von seiner Familie auf den Hügel gebracht und alle Dorfbewohner verabschieden sich mit einer streichelnden Geste über die Stirn, Nase und Kinn Bahs. Danach wird er von den Männern vorsichtig in seinen Tonkrug gelegt und dieser wird fest mit einem Holzdeckel verschlossen. Die Zeremonie wird mit einem weiteren Tanz aller Dorfbewohner geschlossen und nach einem Zeichen der Himmel (“in god’s hand“) weicht die Traurigkeit einem Glücksgefühl und einer Erleichterung mit dem Wissen, das Bah für immer und ewig in der Natur und den Himmeln weiterleben wird. Lebe wohl, lieber Bah.

 

Weitere Bilder sind hier im Album “Plain of Jars” zu finden.

Hier ist dieser Artikel entstanden: Phonsavan, Xiangkhouang, Laos.

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