Verschlafene Nester

 

deserted

deserted von hafual auf Flickr ©

cement blob

cement blob von hafual auf Flickr ©

reparation cig

reparation cig von hafual auf Flickr ©

threatening way into darkness

Es gibt unendliche viele. Es gibt sie in jedem Land. Es gibt sie in jeder Kultur. Und sie haben immer ihre Eigenheiten und einzigartigen Geheimnisse, die man als Außenstehender meist nicht erfährt. Und wenn doch, wahrscheinlich nicht versteht. Verschlafene Nester – völlig unspektakuläre Orte irgendwo im Nirgendwo.

 

Heute angekommen in Phonsavan hat man schnell gemerkt, dass hier ganz bestimmt kein Bär steppt. Die Provinzhauptstadt ist ein richtiges Nest und die Touristen kommen nur wegen einer einzigen großen Sehenswürdigkeit außerhalb des Ortes und übernachten ein bis zwei Nächte. Und so ist in der Stadt auch nicht viel geboten außer ein paar Gästehäusern und Restaurants. Und ich habe heute wieder schnell gemerkt, dass ich solche Städte einfach liebe. Das Gefühl, welches solch verschlafene Nester verbreiten, ist überall ähnlich und trotzdem einziartig. Ein Gefühl, das all diese Orte gemeinsam haben: Wenn man durch die Straßen schlendert wird man kaum wahrgenommen, denn die Menschen leben einfach ihr Leben. Man stört nicht, aber es ist auch nicht wichtig oder relevant, dass man da ist. Die Welt dreht sich gefühlt einfach viel langsamer und man wird wieder daran erinnert wie es ist, wenn man all die Dinge, die wir für unser eigenes Entertainment brauchen, nicht hat und was eigentlich wirklich wichtig ist.

 

Sehr schnell nachdem ich in dem Ort angekommen war wusste ich, dass ich hier heute eine Fototour machen muss, denn auch das Wetter mit einer dicken Wolkendecke hat perfekt zum Thema “verschlafenes Nest” gepasst. Und so bin ich eine Runde gelaufen und habe das Album “one-horse town” fotografiert. Jedes Bild in dem Album drückt die langsamere Geschwindigkeit, die Ursprünglichkeit, das Gefühl “eine kleine abgeschlossene Welt in der großen Welt” und eine positive Verlassenheit aus. Ihr findet das Album hier.
Das Bild “deserted” habe ich in der Parallelstraße der Hauptstraße 7 in einem Hinterhof entdeckt. Es vereint die Elemente Verlassenheit mit dem leeren Platz/Garten, Einsamkeit mit dem alleinstehenden Baum, Bedrohlichkeit mit der dicken Wolkendecke und Trägheit mit der Baustelle, an der sicherlich seit langer Zeit gearbeitet wird.
cement blob” habe ich auf einem Gesteig entdeckt: Es wird oft und viel an den Häusern gearbeitet und auch bei diesen Arbeiten findet das Leben draußen auf dem Gehsteig statt. Und so wird auch der Zement auf dem Gesteig angerührt und die Schaufel bei Einbruch der Nacht einfach liegen gelassen.
Knapp neben dem Gehsteig am Eingang eines kleines Häuschens: eine entspannte Feierabend-Reparatur mit Feierabend-Zigarette (“reparation cig“).
Und im Bild “threatening way into darkness” gingen gerade die Straßenbeleuchtungen der einzigen großen Hauptstraße durch die Stadt unter der dicken schwarzen Wolkendecke an. Die Lampen führen scheinbar unendlich weit in die Dunkelheit – ein gewaltiges Spektakel.
Und trotz der Einfachheit ist Phonsavan eine für mich wirklich beeindruckende Stadt. Ich liebe verschlafene Nester, die irgendwo im Nirgendwo versteckt sind und eigentlich niemanden interessieren.

Hier ist dieser Artikel entstanden: Phonsavan, Xiangkhouang, Laos.

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